Zu den mitunter schwersten Entscheidungen beim Pokern gehört das Spiel am River. Da der Pot nach der letzten gedealten Karte am größten ist, können Fehler an dieser Stelle zu den kostspieligsten gehören. Ein schlechter Call oder eine verpasste Bet mit der besten Hand können einem unter Umständen schon die ganze Session versauen. Natürlich muss es nicht immer so dramatisch sein, aber am River oftmals die richtige Entscheidung zu treffen, wird sich mit Sicherheit positiv auf die Winrate auswirken. Da ich bisher sehr wenig konkret auf Hände eingegangen bin, möchte ich das nun mit diesem Beispiel nachholen:

Den Gegner kannte ich schon relativ gut. Eigentlich gehört er zu den tighteren Spielern, hat aber sein Preflop Spiel zuletzt etwas looser gestaltet. Postflop ist er mit einem Aggressionswert von 2 auf jeden Fall ein zurückhaltender Spieler.
Nachdem zu ihm gefoldet wurde eröffnet er aus dem Cut Off. In der Position ist seine Range relativ breit gefächert. Ich selbst halte mit Q10 suited, eine Hand die sich post Flop in Position sehr gut spielen lässt, gerade gegen einen passiveren Gegner, weshalb ich calle und nicht 3-bette. Der Flop bringt 8QK mit zwei Kreuz. Überraschenderweise checkt er zu mir. Normalerweise hätte man hier eine C-Bet erwartet, da er bei dem Flop doch einige Hände repräsentieren kann. Um zu sehen, wo ich mit meinem second Pair stehe, bette ich 3/4 Pot. Ohne lang zu zögern callt er. Hm, nun stell sich die Frage mit welcher Hand er preflop raist, dann aber auf so einem Flop check/callt. Am Wahrscheinlichsten sind hier wohl irgendwelche Draws, die er nicht anspielen wollte, aus Angst geraist zu werden und dann vielleicht aufgeben zu müssen. Richtig starke Draws wie J10 in Kreuz oder Nut Flush mit Gut Shot (AJ,A10 in Kreuz), oder Sets und 2 Pair, schließe ich mal aus, da er die mit Sicherheit aggressiver gespielt hätte. Also eher ein nackter Draw, oder auch schwächere Pocket Pairs oder auch ne Dame.
Der Turn bringt mit der zweiten Acht eine unbedeutende Karte. Wieder checkt er zu mir. Nun mache ich den ersten Fehler in der Hand, anstatt noch mal zu setzen entscheide ich mich dazu den Pot klein zu halten und checke behind. Natürlich falsch, wenn ich ihn schon am ehesten auf einen Draw setze, dann muss ich ihn auch für jede Karte bezahlen lassen. Da ich mich mit meiner Dame aber auch nicht richtig wohl gefühlt habe und natürlich Showdown Value hatte, entschied ich mich für den Check.
Die dritte Acht am River schien auf den ersten Blick eine gute Karte für mich. Wieder checkte der Villain zu mir und ich entschied mich für eine Value Bet von 1/2 Pot. Zu meiner Überraschung folgte ein zügiger check-raise auf das 3.5 fache meiner Bet. In dem Moment war ich völlig überrascht. Ich war fest davon ausgegangen die beste Hand zu halten. Jetzt kam ich natürlich ins Grübeln, mit was für einer Hand ich konfrontiert war. Zuerst muss man sagen, dass meine tollte Value Bet eigentlich fürn Arsch war. Wenn man die Gedankengänge von Flop und Turn hernimmt, fragt man sich doch welchen Sinn Die River Bet hat. Ich gebe meinem Gegner am ehesten einen Draw und halte selber eine Hand mit Showdown Value. Warum zum Geier checke ich dann nicht noch mal behind und nehme den Showdown? Da ich am Flop auch noch under Pairs als kleineren Teil seiner Range mit einbezogen habe, denke ich, dass ich von denen noch einen Call bekommen könnte. Die Frage ist nur, um noch mal auf den Flop zurückzukommen, hätte er als Preflop Raiser nicht 22-JJ angespielt? Check/Call wäre damit doch irgendwie komisch gewesen. Egal, ich habe leider gebettet was definitiv ein Fehler war und musste mir dann überlegen ob ich am Ende folden oder sein c/r callen sollte. Eigentlich hätte ich bei so einem Gegner sofort folden müssen. Spieler mit einem niedrigen Aggressionswert spielen in den seltensten Fällen einen großen Bluff am River und ein c/r auf rund 28BB ist ja nicht ohne. Dummerweise habe ich mir durch meine eigene Line eingeredet, dass die auf meinen Gegner so schwach aussieht, dass er eine gute Gelegenheit hätte mich zu bluffen. Wenn man sich nämlich in ihn versetzt, hätte man ja auch gut denken können, dass ich den Draw halte. Der check behind am Turn sah mit Sicherheit sehr nach drawing aus. Totzdem war das kein guter Spot zum bluffen, da die dritte Acht am River ja eigentlich eine schlechte Karte war, um einen Bluff anzusetzen. Wenn man dann den Gegner Typus nimmt, hätte man sich eigentlich klar sein müssen, geschlagen zu sein. Gewisse Spieler haben so einen River Bluff einfach nicht drauf. Wenn die am River raisen ist man in den meisten Fällen geschlagen. Leider war es auch genau so

Auch wenn seine Line etwas komisch war, wenn man auf so einen Donk wie mich trifft, der einen am Ende schön ausbezahlt, hat man natürlich alles richtig gemacht
Fazit: Eine der wichtigsten Fähigkeiten beim NL Hold’em ist es zu erkennen, wann man am River for Value setzen sollte und wann man lieber behind checkt und den Showdown nimmt. Man sollte sich immer vor Augen führen ob es genug Hände in der Range des Gegners gibt, die schlechter als die Eigene sind und stark genug, das er noch eine Bet callen kann. In dem Fall sollte man natürlich setzen. Falls nicht,einfach hinterher checken. In diesen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen, wird auf jeden Fall zu einem sicheren Anstieg der Winrate führen.
In diesm Sinne, viel Glück an den Tischen.
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Hätte den River auch auf jeden Fall gecheckt. Aber hinterher ist man immer schlauer
Ich habe das Problem, dass ich immer erst im Nachhinein an meine bereits gemachten Fehler und Analysen erinnert werde. Vielleicht sollte ich mal zum Doc gehen, anstatt mich ständig mit gespielten Händen auseinander zu setzen …
Der Check auf dem River passt schon, unmöglich da jedes mla richtig zu liegen.
Finde du bist auch mit dem Blog hier auf dem richtigen Weg. Sah am Anfang anders aus.
Das der Blog auf einen besseren weg ist. Da schließe ich mich an. Was mir aber nicht gefällt ist die Schriftgröße !
Ich empfinde es so
.. ja besser hätte man kaum spielen können. Die Einschätzung des Gegenübers ist eben am wichtigsten!
…. oder n checkraise wäre viellecith auch angebracht gewesen…