In Brand geraten

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen wieder mehr zu bloggen, aber die letzten Wochen sind pokertechnisch derart mieß gelaufen, dass ich einfach keinen Bock hatte auch noch darüber zu schreiben. Im Moment erlebe ich eine kleine Sinnkrise. Obwohl ich mittlerweile schon über 3 Jahre Poker spiele, unterlaufen mir von Zeit zu Zeit immer noch völlig unnötige Fehler. Es eine Sache durch Bad Beats Geld zu verlieren, aber eine ganz andere, wenn man durch schlechtes Spiel unnötig Geld verbläst. Bei meiner letzten Session bin ich dermaßen auf Tilt gekommen, dass ich gar nicht mehr in der Lage war, durchdachte Entscheidungen zu fällen. Ich war in einem regelrechten Wahn und wollte nur das dieses fiese Minus, was ich produziert hatte wieder ausgleichen. Der Punkt wo ich hätte aufhören sollen, war schon längst überschritten, aber trotzdem konnte ich mich nicht vom Rechner lösen. Ich war zu einem echten Freier mutiert, der einfach alles gecallt hat, auch wenn die Gewinnchancen noch so klein waren.

Eigentlich habe ich mir im Laufe der Jahre ein dickes Fell zugelegt. Aber egal wie viel Erfahrung man hat, jeder Spieler hat seine Tiltschwelle. Beim einem ist sie früher erreicht beim anderen später, aber es gibt wohl so gut wie keinen Spieler auf der Welt der immer sein A-Game abrufen kann und sich nicht von krassen Bad-Beats beeinflussen lässt. Was in meinem Fall dazu geführt hat, war eine lange break even Phase bevor der eigentliche Downswing anfing. Im November habe ich offen gesagt auch nicht sonderlich gut gespielt und beendete den Monat, obwohl ich mit 40k Händen die meisten in diesem Jahr gespielt habe, mit einem kleinen Minus von -100BB. Auch wenn es nicht richtig rund lief, hätte eigentlich schon ein kleines Plus rausspringen müssen. Ein Monat mit steten Ups and Downs kann schon ganz schon zermürbend sein, vor allem wenn der Monat da vor besonders gut lief und man immer darauf wartet, das sich der Upswing vorsetzt. Naja, als es dann anfing richtig mies zu laufen, war ich bereits so angefressen, dass ich mit jeder verlorenen Session gefrusteter wurde und mich bei Bad Beats richtig aufgeregt habe. Teilweise hätte ich am liebsten irgendwas kaputt geschlagen und die einzige Motivation zu spielen war das Ausgleichen der Verluste. Spaß hatte ich zu dem Zeitpunkt praktisch gar nicht mehr.

Gott sei Dank habe ich nach zwei Tagen Zwangspause, dann doch wieder die richtige Einstellung gefunden, um mit Spaß zu spielen. Man muss es “einfach” schaffen sich von temporären Erfolgen oder Misserfolgen freizumachen und sich nur auf sein Spiel konzentrieren. Am wichtigsten ist es gutes Poker zu spielen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wenn man das von sich sagen kann, ist es auch viel einfacher mit Suck-outs und Bas Beats umzugehen. Eine Hand, die mich zuletzt am krassesten getiltet hat, war als ich middle Set auf einem Karo Board floppe und Villain mit Flush bis zum River runtercalle und komplett ausbezahle. Dabei war die Action so, dass ich eigentlich gar nichts schlagen konnte. Naja, danach kam ich mir ziemlich blöd vor und war dann dermaßen angestochen, dass ich gleich noch mal 2 Stacks durch irgendwelche blöden Moves abgegeben habe.

Eine der ersten Hände nach der kurzen Pause war ein Pf All-in AA vs. KK. Ich hielt die Asse und musste mir den dritten König am River servieren lassen. Auch wenn das natürlich extrem abfuckt, kann man halt nichts machen. Auf jeden Fall habe ich Ruhe bewahr und zumindest noch einen Stack plus am Ende rausgeholt.

Fazit: Es ist einfach das A und O sich beim Pokern nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Die schlimmsten Downswings sind immer eine Kombination von Bad Beats und Händen in den man einfach scheiße gespielt hat. Je mehr Rückschläge man wegstecken muss, desto eher leidet auch das eigene Spiel und man macht unnütze Fehler, die einen viel Geld kosten können. Natürlich ist es schwer immer sein A-Game abzurufen wenn man seit 50k Händen keinen Blumentopf mehr gewonnen hat und die 80:20er Spots zu Coinflips mutieren. Aber wie sagt schon der Volksmund: “auf Regen folgt Sonne” und so ist es auch beim Pokern. Egal wie lange das Down anhält, das nächste Up kommt bestimmt :)

In diesem Sinne, viel Glück an den Tischen

One Response to “In Brand geraten”

  1. Mattes sagt:

    “…Ich war in einem regelrechten Wahn und wollte nur das dieses fiese Minus, was ich produziert hatte wieder ausgleichen. Der Punkt wo ich hätte aufhören sollen, war schon längst überschritten, aber trotzdem konnte ich mich nicht vom Rechner lösen. Ich war zu einem echten Freier mutiert, der einfach alles gecallt hat, auch wenn die Gewinnchancen noch so klein waren…..”

    Ich denke an diesem Punkt ist es Zeit, Mal darüber nachzudenken ob du nicht mal eine längere Pause eingelegen solltest.

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