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Was ist an Super High Roller Events eigentlich super?

Mittwoch, Januar 11th, 2012
The Big One For One Drop

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Viktor Blom hat gut 1,25 Millionen Dollar beim Super High Roller Event der PCA gewonnen. Das Buy-in von 100.000 Dollar war relativ bescheiden, denn am 27. Januar soll das Event 20 der Aussie Millions starten, für das jeder Teilnehmer 250.000 Dollar auf den Tisch blättern muss. Und die Tickets für The Big One bei der World Series of Poker, kosten 1 Million Dollar (kann Viktor Blom ja schon mal seinen Gewinn von eben gerade ins Sparschwein tun für). Aber The Big One trägt den Zusatz for One Drop und hat einen karitativen (Neben-)Zweck. Doch der Reihe nach.

Erinnert sich noch jemand an den Onyx Cup? Anfang letzten Jahres, kurz nachdem das High-Roller Event der Aussie Millions mit seinem Buy-in von $250.000 über die Bühne gegangen war, begann Full Tilt Poker die Werbetrommel für eine neue Series mit sechsstelligen Buy-ins zu rühren. Einige Pros, darunter Doyle Brunson und Daniel Negreanu, mokierten sich via Twitter über den neuen Trend zu größenwahnsinnig-hohen Eintrittsgeldern. Ich erinnere mich noch genau, an meine ungläubige Reaktion auf den dämlichen Werbeclip zum Onyx-Cup, durch den Ali Nejad mit lila Schlips und der Ausstrahlung eines Junior-Teamleiters in einem Losverkäufer-Call Centers führte. Bald darauf cashte ich aus, und zwar 25 Dollar, gut fünf Sechstel meiner Funds. Vier Dollar, an die ich seit Juni nicht mehr herankomme, ließ ich auf dem Account (ich weiß, da habe ich noch Glück, verglichen mit den riesigen Bankrolls, die anscheinend jeder sonst bei Full Tilt liegen hat).

Natürlich war ich (und bin ich nach wie vor) entsetzt über die Brutalität, mit der das US-Departments of Justice in die Onlinepoker-Welt und damit in so viele Leben eingriff. Außerdem kommen jetzt, wo die Szene um so viele Spiele ärmer ist in den nicht-NLHE-Varianten, die ich eigentlich viel lieber spiele (FL Omaha High Low und 2-7 Single Draw zum Beispiel, oder Mixed Games), häufig über viele Stunden keine Sit’n Gos zustande, und auch die Turniere sind seltener und viel viel kleiner geworden. Und es freut mich sehr, dass Chris Ferguson erstens noch unter den Lebenden weilt und zweitens Klage gegen das Einfrieren der Spieleraccounts eingereicht hat. An Events wie beispielsweise dem Onyx Cup nervt nicht die die Höhe der geplanten Buy-ins – schließlich liest man ständig über einzelne Pots in Höhe von 100.000en Dollars bei High Stakes Cash Games, off- wie online, in Händen, die oft nicht einmal eine einzige Minute lang dauern. Das Problem liegt in der Langeweile, die sie ausstrahlen. Leute, die viel Geld zur Verfügung haben, schmeißen sich selbiges um die Ohren, wie Kinder mit Knetgummi werfen (ob daher der Ausdruck „Knete“ kommt?). Wo ist da der Witz? Ich meine, wenn man wenigstens davon ausgehen könnte, dass die Jungs und das Mädel, die sich dann am Final Table treffen, bei so einem Event einen ECHTEN Showdown, mit spitzen Schreien, Pistolenschüssen, durch die Luft fliegenden Stühlen, zerbrechenden Gläsern, Flaschen, Spiegeln und so fort abziehen würden – aber so? Poker – selbst in seiner aktuellen wenig romantisch wirkenden Form als Onlinegrinden an 25 bis 50 Tischen gleichzeitig – verkörpert wie sonst kaum ein Spiel das Streben des Individuums nach Glück, letzteres am liebsten in Form von schnellem Reichtum. Die aberwitzigen Buy-ins aber, die Schlagzeilen generieren sollen, degradieren die Spieler zu Eseln, denen immer größere Möhren vor die Nase gehängt werden. Soviel Geld macht die Sache viel zu billig.

Etwas anders liegt der Fall bei „The Big One for One Drop“, einem No Limit Hold’em Turnier mit einem Buy-in $1.000.000, das mit maximal 48 Spielern am 1. Juli im Rahmen der World Series of Poker startet: $111.111 pro Teilnehmer gehen als Spende an die von Guy la Liberté gegründete One Drop Foundation, die weltweit Projekte unter Anderem zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung und Ernährungssituation in armen Ländern fördert. Hier kommt ein Element auf den grünen Filz, das ganz wesentlich zum Zauber des Spiels beiträgt – dass die Lust am Pokern nämlich aus anderen Quellen gespeist werden kann als aus der Vorgabe von Verkaufsleitern, die möglichst viel Umsatz generieren müssen. Wer weiß ob das Department of Justice so ohne Weiteres durchgegriffen hätte, wenn man Full Tilt Poker von vornherein karitative Zwecke bei der Onyx Cup Series ins Konzept aufgenommen hätte.